Historie

Unterabteilung Karneval S.C. Lichtenbusch
Unterabteilung Karneval S.C. Lichtenbusch

Karneval wird in Lichtenbusch schon seit vielen Jahrzehnten gefeiert. Auf dem Rosenmontagsball der Karnevalsgesellschaft 1975 tollte eine über 80-jährige Dame (Maria Jung, geb. Heister, genannt „et Jungse Marieche“) rank und schlank über das Parkett. Maria Jung hatte das heitere Treiben ihren Vorfahren abgeschaut, wir können folglich getrost auf ein weit über 100-jähriges  Karnevalstreiben in Lichtenbusch schließen.

 

Leonard Kohl, geboren 1889 in Kelmis, weit besser bekannt als "Nades", erfreute bereits die Großeltern der heutigen Lichtenbuscher Karnevalisten fast 70 Jahre lang auf den Karnevalssitzungen mit Humor auf seine urwüchsige, herzhafte, manchmal kernig-derbe, doch niemals billige Art. Wir sehen, dass der Lichtenbuscher Karneval älter ist als mancher glaubt, wenn er auch damals noch unorganisiert war, im Vergleich zum heutigen Lichtenbuscher Treiben.

Peter Scheen 1936
Peter Scheen 1936

Die ersten Anfänge, den Karneval in Lichtenbusch zu organisieren, wurden 1936 gemacht, als Peter Scheen in Lichtenbusch Prinz Karneval wurde.

 

Der Krieg und die betrübliche Nachkriegszeit hatten das gesellschaftliche Leben zerstört und so begann der Fußballverein „SC Grün – Weiss Lichtenbusch 1949 e.V.“, 1952, in seiner Unterabteilung „Karneval“, Karnevalsbälle zu organisieren.

 

Lambert Hoffmann, Leo Sebralla und Addy Mikus waren die drei Hauptinitiatoren zur offiziellen Gründung der „Karnevalsgesellschaft Grün – Weiss Lichtenbusch“.

Sie beschlossen 1963 in Lichtenbusch einen Prinz Karneval zu proklamieren. Wegen mehrerer Sterbefälle konnte dieses Vorhaben jedoch erst 1966 verwirklicht werden.

Lambert Hoffmann 1966
Lambert Hoffmann 1966

Und so geschah es; hartnäckig verfolgte Leo Sebralla sein Ziel: Lambert Hoffmann sollte Prinz Karneval von Lichtenbusch werden. Gerd Könen und Heinz Bartz machten dann impulsiv den Vorschlag gemeinsam ein Dreigestirn zu bilden.

Während der Karnevalssitzung 1966 trugen vier Leute eine Sänfte mit einer in einen weißen Sack gehüllten Person auf die Bühne und ihr schlossen sich zwei weitere Gestalten in grünen Säcken an. Die vermummten drei Personen entpuppten sich als das erste Dreigestirn des Lichtenbuscher Karnevals: Prinz Lambert I. (Lambert Hoffmann), Bauer Heinz Bartz und die Jungfrau Gerd Könen.

 

Dieser eher auf einem Impuls basierende Vorschlag hat dazu geführt, dass seit 1966 nur Dreigestirne in Lichtenbusch proklamiert werden.

 

1984 wurde aus der Unterabteilung „Karneval“ des „SC Grün – Weiss Lichtenbusch 1949 e.V.“ aus Haftungsgründen, der eigenständige Verein „Karnevalsgesellschaft Grün -  Weiss Lichtenbusch 1966 e.V.“. 

Enthüllung Lichtenbuscher Dreigestirn
Enthüllung Lichtenbuscher Dreigestirn

Besonderheiten des Lichtenbuscher Karnevals werden bis heute hin liebevoll gepflegt, zum einen wird das Dreigestirn  zur  Proklamation immer noch in Säcke gehüllt (um die Spannung zu steigern) auf die Bühne geführt und durch die Prinzengarde der KG enthüllt. Der Präsident und der Kommandant wissen als einzige, wer in diesen drei Säcken drinsteckt. Im Ornat der Jungfrau steckt immer ein Mann, der genau wie im Kölner Karneval eine beschützende Mutter darstellt, der Bauer symbolisiert die Wehrhaftigkeit und schwingt seinen Dreschflegel. Der Prinz ist nicht nur der strahlende „Held Karneval“, sondern auch Synonym für den Lichtenbuscher Karneval.

Seit 1966 ist die erneute Teilnahme eines Prinzen, als Prinz in einem Dreigestirn erst nach 11 Jahren wieder möglich.

  

Die Lichtenbuscher Karnevalisten pflegen bis heute einen regen freundschaftlichen Kontakt mit den Nachbargemeinden Oberforstbach (D), Schleckheim (D) und Eupen (B), Raeren (B), Eynatten (B).

 

Die Ornate des Dreigestirns wurden anfangs beim Stadttheater Aachen gemietet. 1974 wurde das erste Prinzenornat geschneidert, das Bauern- und Jungfrauenornat wurde weiterhin beim Theater geliehen. 1975 wurden das erste Mal alle drei Ornate gekauft. Anfangs wurden die Ornate noch 4-5 Jahre getragen und jedes Mal für die jeweiligen Dreigestirne umgenäht.

Heute werden die Ornate jedes Jahr, unter größter Geheimhaltung, neu geschneidert oder umgearbeitet. Natürlich wurden und werden die Ornate immer edler und aufwendiger gestaltet.

Die Dreigestirne dürfen sich die Farbe, Form und Aufmachung des Ornats selber aussuchen.

 

So hatte zum Beispiel das Dreigestirn des Jahres 2004 Ornate im Design des Kölner Dreigestirns

Das Dreigestirn 2005 hatte ein Tigermuster an allen Ecken und Enden des Ornats.

  

Das Dreigestirn stellt manchmal sogar Verträge mit Ordenswerkstatt, Schneiderei, Lichtshowbetrieben, Showballett, … auf, damit nur ja nicht bekannt wird, wer das nächste Lichtenbuscher Dreigestirn darstellt.

Lichtenbuscher Zoll 1991-1992
Lichtenbuscher Zoll 1991-1992

Die Staatsgrenze hat im Lichtenbuscher Karneval über viele Jahre hinweg eine besondere Rolle gespielt.

Karnevalswagen wiesen im Karnevalsumzug, der auch heute noch am  Karnevalssonntag durch Lichtenbusch zieht, auf die groteske politische Situation hin. Der Schlagbaum, der die „Lichtenbuscher von den Lichtenbuschern“ trennte, war auf manchen Karnevalswagen zu finden. Der Karnevalsumzug fand lange Zeit nur auf deutscher Seite statt. Bis heute hat der Karnevalszug nur zweimal die Grenze überschritten.

 

Die Orden und die Standarte wurden des Öfteren mit Zollschranke und dem Motto „Karneval ohne Grenzen“ versehen.

Es gab sogar einen Zollorden und alljährlich wurden Besuche im Zollhaus gemacht.

 

Als der Golfkrieg 1991 ausbrach, wurden sämtliche Veranstaltungen auf Vorschlag des „Bundes Deutscher Karneval“ (BDK) und deren „exekutiver Gewalt“ für Aachen; der „Ausschusses Aachener Karneval“ (AAK) in der Region Aachen abgesagt.

Die Karnevalsgesellschaft entschloss sich dazu keine Veranstaltung abzuhalten und keinen Karnevalsumzug durchzuführen, lediglich die Proklamation des Dreigestirns 1991 wurde abgehalten, weil man so oder so die Gagen der Künstler und der Musikkapellen sowie die Eintrittsgelder zurück erstatten hätte müssen. Dies hätte zu großen finanziellen Einbußen geführt.

Die Galasitzung mit Proklamation wurde aber mit einem beunruhigenden Gefühl durchgeführt, denn viele Karnevalsvereine, die Ihre Veranstaltungen nicht absagen wollten, erhielten „Bombendrohungen“ oder „Androhungen auf Saalstürmungen und Farbbeutelattacken“, weswegen diese Veranstaltungen dann doch aus Angst abgesagt wurden.

Man feierte mit dem Dreigestirn kleine Privatpartys unter Ausschluss der Öffentlichkeit im heimischen Partykeller.

Das Dreigestirn des Jahres 1991 amtierte deshalb auch noch im Jahre 1992.  

 

-      Präsidenten der Karnevalsgesellschaft:

  • 1966 - 1976    Lambert Hoffmann
  • 1977 - 1988    Wolfgang Vowe
  • 1989 - 2018   Kurt Hoffmann
  • 2019 -

 

Jubiläumsbild 4x11 Jahre (2010)
Jubiläumsbild 4x11 Jahre (2010)

-       Gruppen der Karnevalsgesellschaft heute:

  •  der vereinseigene Musikzug  (gegründet 1991)
  • das Kindermariechen
  • die Tanzmarie
  • die kleine Tanzgruppe
  • die Tanzgarde
  • die Showtanzgruppe
  • die Damen der KG
  • die Prinzengarde
  • die Senatoren
  • die Ehrenhutträger
  • das Dreigestirn

 

Anfangs durfte die Prinzengarde maximal aus 30 Personen bestehen. In den ersten Jahren waren keine weiblichen Mitglieder erwünscht.

Heute nach mehr als 4 x 11 Jahren Vereinsgeschichte sind die Damen aus der Vereinsgeschichte nicht mehr wegzudenken.

Der Verein besteht aus rund 210 Mitgliedern, davon sind ungefähr 100 aktive und 110 inaktive Mitglieder.

Bei viele Auftritten in und um Aachen kann der Präsident zu Recht behaupten: „Wenn die Karnevalsgesellschaft unterwegs ist, dann ist Lichtenbusch leergefegt, nur die Theke im Vereinslokal ist noch besetzt.“

Abschließend ist noch zu bemerken, dass in Lichtenbusch das Brauchtum Karneval liebevoll gepflegt wird, neue Ideen in das Vereinsleben einfließen und die Beziehung und die Kameradschaft zwischen jung und alt beachtenswert ist. 

Text: U. Sauer (2005, 2010, 2013)

Einige Bilder aus der Vereinsgeschichte

Einige Videos aus der Vereinsgeschichte

Video aus dem Jahr 2005

"Unser Dorf"

Lokalzeit, WDR Aachen

Video aus dem Jahr 2008

"Tagung des BDK in Aachen"

Lokalzeit, WDR Aachen